Die Losungen:

Psalm 105,1
Danket dem HERRN und rufet an seinen Namen; verkündigt sein Tun unter den Völkern!
Apostelgeschichte 20
/Paulus sprach:/ Ich achte mein Leben nicht der Rede wert, wenn ich nur meinen Lauf vollende und das Amt ausrichte, das ich von dem Herrn Jesus empfangen habe, zu bezeugen das Evangelium von der Gnade Gottes.

Gold, Weihrauch, Myrrhe
Das Himmelreich kommt auf die Erde, und dann?

Eine Weihnachtsbotschaft für das ganze Jahr.



von Martin Zeier


Gloria in excelsis deo, der Botschaftsklassiker der Engel am Heiligen Abend. Das Himmelreich kommt auf die Erde zu den Menschen. Welche Bedeutung hat diese Geschichte außerhalb von Weihnachten für uns? Hier kommt eine etwas andere Sicht der Dinge um Gott, Spiritualität und Christsein.
Normalerweise ist unsere Blickrichtung, und die ist ja auch richtig, zum Himmel gerichtet. Wir besuchen Gott im Gottesdienst mit dem Gottesdienst-Lift. Wir fahren in den Himmel und holen uns eine neue Begegnung mit Gott ab. Anschließend geht’s wieder nach unten, und der Alltag fängt wieder an.
Wir können davon ausgehen, dass auch die Engel irgendwann wieder weg waren, sie waren eine krisenhafte Erscheinung. Welche Wirkung hatten sie hinterlassen?



Die Weisen und ihre Gaben

Irgendwo weiter östlich, vielleicht viele tausend Kilometer weg, machten gelehrte Leute eine Entdeckung. Sie sehen ein Licht und interpretieren es mit ihren damaligen wissenschaftlichen Kenntnissen als die Geburt eines neuen Königs. Dieser König und der Ort wo er geboren wurde, Bethlehem in Judäa, wurden unabhängig von den Erkenntnissen der drei Weisen auch von einem jüdischen Propheten, nämlich Micha um 700 v. Chr. vorhergesagt (Micha 1,5). Und sie machten sich auf den Weg, diesen neuen König zu suchen und finden ihn tatsächlich. Sie finden ihn jedoch nicht in der erwarteten Umgebung. Sie sind sich jedoch ihrer wissenschaftlichen Erkenntnis so sicher, dass für sie kein Irrtum vorliegen konnte. Sie erlebten, im wahrsten Sinne des Wortes, den Himmel auf Erden. Gott war auf die Erde zurückgekommen. Nach einer langen Zeit des Schweigens, fast 400 Jahre, kehrt sich Gott wieder zu seinem Volk. Gott will die Gemeinschaft mit seinem Volk Israel neu aufrichten und dazu schickt er seinen Sohn, Jesus Christus.
Was ist nun das Besondere an den drei Wissenschaftlern, die aus dem Osten kamen um dem Reich Gottes auf dieser Erde zu begegnen?
Sie brachten drei besondere Dinge, um sie als Gaben in das Reich Gottes zu geben. Sie holten sich nicht nur ihre Bestätigung,  ja wir hatten Recht! Diese drei Männer gaben drei symbolisch wichtige Dinge in das Reich Gottes. Ihre Namen werden in der Kirchengeschichte unterschiedlich angegeben, dies soll für die weiteren Betrachtungen jedoch keine Rolle spielen. Ihre drei Gaben wollen wir uns nun umso genauer ansehen.
Die „Weisen aus dem Morgenland“, so werden sie nach Matthäus 2 benannt, bringen drei Gaben in der folgenden Reihenfolge mit: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Noch heute werden auf den Märkten im Oman (arabische Halbinsel) Gold, Weihrauch und Myrrhe zum Verkauf angeboten. Ob die Reihenfolge wirklich eine Rolle spielt, wissen wir nicht, wir wollen uns jedoch in der weiteren Betrachtung daran halten.

Das Gold

Da ist zunächst das Gold. Es ist ein Metall, das bei gleichem Volumen etwa dreimal schwerer ist als Eisen. Ein besonderes Metall, auf das sich Wert und Werterhalt projiziert. Lange waren nationale Währungen durch Gold abgesichert, und noch heute werden die Goldreserven als Teil dieser Sicherheit geführt. Gold ist ganz ohne Frage etwas Besonderes. Als die Weisen dem Kind in der Krippe Gold gaben, gaben sie etwas Außergewöhnliches. Bleiben wir hier einen Moment stehen. Was ist unser Gold, das wir in das Himmelreich geben können? Natürlich fällt Jedem Geld und Besitz ein. Ohne eine finanzielle Unterstützung kann Gottes Reich auf der Erde nicht wachsen. Es gibt ja viele Möglichkeiten, vom Sonder-
opfer bis zur regelmäßigen Gabe des Zehnten. Es ist jedoch mehr als nur Geld und Finanzen. Gold ist auch ein Talent, eine besondere Gabe oder eine nicht alltägliche Begabung, die das Reich Gottes braucht. Gold braucht auch Bearbeitung; ein Talent, eine Begabung im Reich Gottes wird noch wirkungsvoller, wenn es geschult und trainiert wird.

Der Weihrauch

Die zweite Gabe war Weihrauch. Weihrauch kennen wir aus dem Alten Testament und spielt in den Opfern der Israeliten eine wichtige Rolle. Weihrauch wird im Hohelied als gerader Rauch beschrieben: „Was steigt da herauf aus der Wüste wie ein gerader Rauch,…“ (Hohelied 3,6). Weihrauch hatte bestimmte Eigenschaften im Opferdienst. Er wurde für das Sündopfer (3.Mose 5,11), für das Gedenkopfer (3.Mose 24,7) und für das Eifersuchtsopfer (4.Mose 5,15) genannt. Dem Weihrauch wird auch das Attribut der Reinheit (2.Mose 30,34) zugeordnet. Weihrauch steht zweifelsfrei für die Spiritualität, für die Beziehung zu Gott, für die Anbetung und die Anerkennung der göttlichen Souveränität. Der Weihrauch stellt die richtige Ordnung wieder her, Gott als unser Vater, mit dem wir in Beziehung sein sollen und wollen.

Die Myrrhe

Die dritte Gabe ist die Myrrhe, und ihre Interpretation ist vielschichtiger und erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Myrrhe ist das semitische Wort „murr“ und bedeutet bitter. Myrrhe wird aus dem Harz des Baumes Commiphora myrrha gewonnen. Nebenbei ist Smyrna (eine der sieben Gemeinden aus der Offenbarung) die griechische Übersetzung für das semitische Wort Myrrhe. Myrrhe kam vielfältig zur Anwendung. Als Medikament zur Desinfektion und Blutstillung, bei Darmentzündungen und Bronchitis. Myrrhe war zweifelsfrei eine wichtige Gabe für Eltern, die sonst keine Hilfe für ihr Neugeborenes erwarten konnten. Sie wurde auch für Salben und Parfüms verwendet.
Soweit macht die Gabe von Myrrhe durchaus Sinn, wenn da nicht das Wort bitter wäre. Wir wollen uns damit noch etwas mehr beschäftigen.
Jesus bekam am Anfang seines Lebens Myrrhe (von den Weisen) und am Tage seines Todes. Wir lesen in Markus 15,23: „Und sie gaben ihm Myrrhe in Wein zu trinken…“. Es gibt kaum eine bessere Metapher für die Bitterkeit des Todes, die Jesus hier durchleben musste. Myrrhe steht auch für die bittere Wahrheit, nämlich dafür, dass Sündenvergebung nur durch den Tod am Kreuz möglich ist. Als die Weisen Myrrhe brachten, und der Neue Bund in erkennbare Nähe rückte, hatte dieses Ziel auch einen bitteren Geschmack. Wir wissen, dass wir durch die Buße und Wiedergeburt um diese Bitterkeit herumkommen. Wie ist es jedoch mit unserer eigenen Bitterkeit? Bitterkeit ist eine der wesentlichen Hinderungsgründe für das Wachstum der Gemeinde Jesu. Bitterkeit macht krank, sogar schwer krank. Sie schädigt den eigenen Körper, und sie ist ansteckend und macht auch andere krank. In dem säkularen Fachbuch „The Posttraumatic Embitterment“ werden die Symptome der Bitterkeit, oder auch Verbitterung, beschrieben. Bitterkeit engt den Lebenshorizont ein, zersetzt  Arbeitskraft, verhindert Kreativität und führt zu sozialer Isolation. Bitterkeit ist kein Teil von Gottes Reich und hindert gravierend den Bau des Reiches Gottes in unserem direkten Umfeld.
Zuletzt noch ein Gedanke zu der Kombination Gold, Weihrauch und Myrrhe. Sie werden immer wieder im Dreierpack genannt. Ein Hinweis darauf, dass sie nicht trennbar sind. Auch für uns ein wichtiges Bild. Allein unser Talent reicht nicht, wenn die Spiritualität fehlt. Umgekehrt ist Spiritualität für sich alleine eine Erfahrung, die sich im Alltäglichen rasch abnutzt. Und noch ein Satz zur Myrrhe, der bitteren Wahrheit. Nur wenn Beziehungen stimmen und Konflikte nicht mit dem Mantel der Spiritualität zugedeckt werden, kann eine Gemeinde vorankommen und wachsen.