|

Als Pfingstler über den Heiligen Geist zu schreiben, sollte wohl eine einfache Arbeit sein, so als müsse man sich nur seiner schreibenden Hand entlassen … doch den echten Schwerpunkt zu setzen, empfinde ich als gar nicht so leicht. Einerseits läge es nahe, über die Kraft des Heiligen Geistes, sein großartiges, wunderbares Wirken in der Gemeinde und Gesellschaft heutiger Zeit zu berichten, andererseits bleibt es mir ein stetes Bedürfnis, über die den Jünger in seiner Persönlichkeit verändernde Gemeinschaft mit ihm, dem Heiligen Geist, zu berichten. So möchte ich versuchen, beides zusammen zu führen. Zunächst zwei kleine Zeugnisse: Es war vor etlichen Jahren in einem Altenheim, als ich das Wort Gottes im Rahmen eines Gottesdienstes predigte. Während der Predigt erwähnte ich offenbar etwas von dem Heilungswillen Gottes, welcher durch den Heiligen Geist in uns so konkret werden kann, dass ein kindlicher, fassbarer Glaube entstehen kann. Unter den Hörern war eine ältere Frau, eine liebe Christin, welche seit einem Schlaganfall (Luise Kleinhans, ca. ein Jahr zuvor) an den Rollstuhl gebunden war. Nach entdem Gottesdienst rollte ich sie in ihr Zimmer und versetzte sie in ihren Sessel. Die Gemeinschaft mit dem Geist Gottes setzte sich jedoch bis in die Morgenstunden des nächsten Tages im Stillen fort … Plötzlich konnte sie es fassen, und voller Freude stand sie auf. Sie war vollständig geheilt. Und nicht nur ihre Lähmung war verschwunden, sondern auch ihre Schwermütigkeit. Sie wurde eine ganz und gar sonnige Frau Gottes. Es gab keine direkte Unterredung mit einem Menschen, keine Salbung, keine Handauflegung, doch im Herzen waren Unterredungen, Salbung und Berührung durch IHN selbst, den Heiligen Geist. „Luci“ starb einige Jahre später im hohen Alter als fröhliche Christin, sie benötigte niemals mehr einen Rollstuhl. Noch ein Beispiel fällt mir zum Thema „Austreibung“ (Markus 16, 17) ein. Gilt das denn für heute? Immer wieder höre ich, dass die Zeit der Austreibungen vorbei sei oder dies in unserer westlichen Hemisphäre nicht mehr geschähe. Eine liebe ältere Schwester bat mich eines Abends rasch zu ihr zu kommen, ihr Bruder würde unglaubliche Geräusche machen, sie habe Angst. Ich fuhr zu ihr und konnte dies nur bestätigen. Grundsätzlich kenne ich so viele Menschen, welche dadurch auffallen möchten, indem sie sich ein wenig dramatisch verhalten etc. Andere benötigen u.U. Medikamente, psychiatrische Hilfe oder durchaus eine Konfrontation „sich nicht so abnormal zu verhalten“ usw. So ist meine grundsätzliche Einstellung. Doch in diesem Fall legte ich nach meiner Frage an den Mann, ob er frei werden wolle, sofort meine Hände auf und gebot … was dann geschah ist so unglaublich skurril, wie es sich in manchen Evangeliumsgeschichten abspielt. Der Mann sank nach einigen Minuten Gebet ohnmächtig und wie im Schweiß geduscht (und das ist nicht ansatzweise übertrieben) auf eine Couch. Als er wieder zu sich kam, teilte ich ihm mit, dass Teufelaustreiben eine Sache sei – eine andere, Jesus anzunehmen … Der Mann nahm Jesus Christus als seinen Erlöser an, wir beseitigten müllsäckeweise sündlichen Schund. Er starb drei Jahre später bei einem Verkehrsunfall. Ich durfte ihn als meinen Bruder beerdigen. Diese ältere Frau hatte danach noch mehrmals Begegnungen dieser Art mit anderen Menschen (und das bis heute, sie kommt selbst aus einer entsprechend schrecklichen Kultur). Sie rief mich wieder an … diesmal allerdings war ich unterwegs. Ich teilte ihr mit, dass sie sich nicht fürchten müsse, sie solle in Zungen beten oder Pfingstjubellieder singen und die Hand nicht ablassen, alles im festen Bewusstsein, dass der Heilige Geist genau dafür in unserem Herzen wohnt. Das tat sie und erlebte, wie seine Kraft lebendig macht und Menschen vom Tode in das helle Lebenslicht geführt werden! Es ist ohne Zweifel wichtig, sich diesem Thema mit gesunder Skepsis anzunähern. Hat doch z.B. die vergangene Welle der sog. „geistlichen Kampfführung“ für reichlichen theologischen und teilweise lächerlichen Unfug gesorgt. So geboten Christen irgendwelchen „gewaltigen, territorialen Dämonenfürsten mit allerlei albernen Spektakel und Hokuspokus“, zu Hause aber vermochten sie ihr sündliches Fleisch nicht ansatzweise beherrschen. Dennoch bleibt der Feind Gottes auch in der Weise ein Feind des Menschen, dass er solche beherrscht, welche sich in falsche Hände übergeben. Hierfür also sollen wir heute sowohl Skepsis, als auch ein kindliches Herz behalten (1. Korinther 12, 10). Hat doch Jesus damals gepredigt, dass wir die Werke tun werden, welche er getan hat (Johannes 14, 12) und sogar größere. Und niemals gelängen Gottes Herrlichkeiten und Segnungen, Befreiung von der Macht des Feindes und das Wunder der Neugeburt in die Gemeinde und Gesellschaft, ohne den Leben schenkenden, menschenliebenden Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist sowohl unsere Quelle des frischen Wassers für uns, als auch ein Strom, welcher von uns fließen soll, damit sich Gottes Herrlichkeit auch am Nächsten erfüllen kann (Joh. 7, 37-38). Jesus bereitete seine Jünger auf eine neue Qualität der Gemeinschaft mit ihm vor. Er lehrte vom Heiligen Geist als solchen, der ihm völlig gleicht und in ihren Herzen wohnt (Johannes 14-16). Was mich immer wieder erstaunt, ist dabei, dass Jesus bei der Bekanntmachung des Heiligen Geistes keine Begriffe wie „Feuer Gottes“, vom „gewaltigen Strom oder Sturm des Himmels“ o.ä. wählt, sondern einen eher unspektakulären „Tröster“ zu prägen beginnt. So nah und bewusst, wie Jesus seinen Jüngern war, so nah und bewusst soll nun auch die Gemeinschaft zwischen den Jüngern und dem Heiligen Geist als Tröster, Beistand, Advokat sein. Wird doch durch den Begriff „Tröster“ Nähe und Vertrauen, Liebe und Beziehung assoziiert, und das ist extrem sinnvoll. In der Gegenwart des Heiligen Geistes geht es also nicht alnlein um die mächtige Kraft Gottes, sondern vor allem um einen Lebenskenner, welcher seine Kinder leitet und durch sie dem verlorenen Menschen begegnet und dabei himmlische Kraft in die Beziehung einweben will. Diese Nähe und Vertrautheit zu seinem Vater hatte Jesus ihnen vorgelebt. Durch den Heiligen Geist soll dies nun in den Herzen und durch das Leben der Jünger in nie gekannter Qualität fortgesetzt werden. Während im Alten Testament Sünden vergeben wurden, wohnt nun Christus selbst durch den Heiligen Geist im Jünger, so dass dieser eine Anbetungsstätte und somit Gegenwarts- und Herrlichkeitsstätte Gottes wird (1. Korinther 6, 19; 2. Korinther 6, 16). Jesus zeigte den Jüngern, wie man Menschen dient und dabei eng mit dem Vater verbunden bleibt. Genauso intensiv ist heute die Gemeinschaft der Jünger mit Jesus im Herzen gedacht, näher geht das nicht. Heute geht also Jesus nicht etwa durch Engel auf die Menschen zu, sondern durch den Jünger, welcher den Geist innewohnen hat und um seine Salbung weiß (Joh. 14, 26). Denn Gottes Wirken ist nicht auf Gemeinderäume und den salbungsvollen Profi-Pastor beschränkt, sondern gerade durch den schlichten, aber Christus-bewussten Jünger, welcher durch die Gemeinschaft im Heiligen Geist gelernt hat seinem Gott zu vertrauen. Und sicher manchmal gerade außerhalb der schützenden Gemeindeversammlung. Christen neigen häufig dazu, ihr Wissen über den Heiligen Geist zu mehren, ohne ihn in seiner aktuellen Wirksamkeit persönlich zu erleben. Solch einem Glauben fällt keinerlei ernstzunehmende Aufmerksamkeit zu. Verheißungen Gottes stehen in Abhängigkeit von der Lebendigkeit der Beziehung zum Heiligen Geist im Jetzt (Röm. 8, 14). Wenn die Bibel Jünger auffordert „Lasset uns aufsehen auf Christus (Hebräer 12, 2), meint sie nicht, dass wir ab und zu an ihn denken sollen. So würde Glaube an Gottes Wirksamkeit zur Mangelware. Es ist wie in einer Ehe. Wenn man keine aktuelle Lebensgemeinschaft mit dem Partner lebt, verschwindet zunehmend die Aktualität des Innenlebens. Die Gemeinschaft wird nicht mehr gesucht, später gemieden. Dem gegenseitigen Ansehen, in die Augen schauen wird die Intensität genommen, nach fünf Jahren stellt man erstaunt fest, dass der Andere sich verändert habe. Es wurde kein neues Vertrauen gebildet, man verfremdete und verlor sich zusehends aus den Augen. Die Ehe verlor sich als Farce. Und das alles, obwohl man Tag und Nacht zusammen lebte. Verheiratet sein und eine Ehe leben, kann enorme Qualitätsunterschiede beinhalten. Doch genauso leben viele Christen eine oberflächliche Beziehung zum Heiligen Geist und meinen selbstbetrügerisch, alles richtig zu machen. Dieser aber möchte dauerhaften Blickkontakt mit uns, möchte hören und sich mitteilen (Joh. 14, 16-18; 15, 5-8). Christen aber dämpfen, widerstehen, belügen häufig den Heiligen Geist mit der Folge, dass die Beziehung zu ihm mindestens oberflächlich und staubig wird (Epheser 4, 30; Apostelgeschichte 7, 51; 5, 3). Leben wir aber wirklich in einer Beziehung mit dem Heiligen Geist, sollten wir nicht dem zeitgeistlichen Irrglauben verfallen, dass er ein „Geist der Ruhe und des Friedens“ im Sinne eines kuscheligen Herrlichkeitspenders sein wird. Er ist unbequem, fordert uns heraus, mutet uns etwas zu, leitet uns im Leben hin und wieder gerade dann an, wenn wir gar nicht wollen. Er korrigiert unser Gottesbild und unsere Theologie, er mahnt uns bei entwürdigendem Verhalten gegenüber den Geschwistern, er schifft uns aus dem Fahrwasser der eigenen Logik heraus. Er will das Wesen Jesu in uns wachsen lassen (Galater 5, 22-25). Nehmen wir uns zu Herzen, wir stehen und bleiben im Mittelpunkt seiner Liebe und Aufmerksamkeit. Doch unsere Beziehung zum Heiligen Geist ist nicht allein Selbstzweck. Christus will in der Gesellschaft aktiv sein, wie damals, nur heute durch dich und mich. Nicht durch Heer und Kraft will ich wirken, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr der Heerscharen (Sacharja 4, 6).
|