Wenn Gott Eingreift
 von Elfie Kurzenberger
Am 29.12.2010 wurde mein Leben total auf den Kopf gestellt. Beim Schneeschippen bin ich plötzlich zusammengebrochen und erst wieder im Krankenhaus zu mir gekommen. Zuerst dachte ich noch, ich würde am nächsten Tag wieder arbeiten gehen. Ich hatte überhaupt nicht wahrgenommen, was mit mir geschehen war. Erst langsam registrierte ich, dass ich einen Schlaganfall hatte und auf der rechten Körperseite gelähmt war. Das bedeutete, Arme und Beine konnte ich nicht mehr einsetzen, war also auf fremde Hilfe angewiesen.
Das war für mich eine sehr befremdliche und peinliche Situation, mit der ich mich sehr schwer tat, zumal ich selbst im Pflegeberuf tätig bin. Dem 2,5 Wochen langen Krankenhausaufenthalt schloss sich eine 6,5 Wochen lange Rehazeit an. In dieser Zeit war es für mich sehr tröstlich, hilfreich und ermutigend, eine Gemeinde hinter mir zu haben, die mir und meinen Kindern in dieser Zeit auf die unterschiedlichste Weise hindurchhalf. Ermutigende Briefe, Telefonate, Besuche und Gebete gaben mir immer wieder neuen Mut und Kraft. Am 1. März kam ich dann nach meinem Rehabilitationsaufenthalt endlich wieder nach Hause. Da ich im Rollstuhl saß, musste in den Räumen viel umgestellt und organisiert werden. Ich konnte vieles, was für die Meisten von euch ganz selbstverständlich ist, nicht mehr machen. Waschen, Anziehen, Fortbewegen, Kochen, Abspülen, Sauber machen... Dinge, die wir im Alltag so nebenher bewerkstelligen, waren für mich zu großen Hürden geworden. Ich konnte ja nicht mal mehr allein ins Schlafzimmer, sondern war auf Hilfe angewiesen. So vergingen die Wochen und Monate, und es tat sich nichts. In dieser Zeit war es für mich sehr wertvoll, dass die Gemeinde mich weiterhin im Gebet, im Ermutigen und im Helfen unterstützte. Die vielen Gebete, Telefonate und Besuche haben mir in dieser schweren Zeit viel Kraft und Durchhaltevermögen gegeben, gerade auch in den Augenblicken, in denen ich resignieren wollte und nicht mehr weiter wusste. Ich durfte da immer wieder neu feststellen, dass der Herr genau weiß, was wir brauchen und uns niemals allein lässt. Im November 2011 wurde mir auf wunderbare Weise nochmals eine Reha genehmigt, die ich dann auch eine Woche später antreten konnte. Drei Wochen tat sich da ebenfalls kaum etwas, und es war eine sehr schwierige Zeit, in der ich kurz davor war, die Reha abzubrechen, alles hinzuwerfen, aufzugeben. In meiner Verzweiflung rief ich jemanden aus der Gemeinde an und bat sie, für mich im Gebet einzustehen, da ich mich total am Ende und fehl am Platz fühlte. Diese Gebete haben mir dann wieder neue Kraft und Zuversicht gegeben, sodass ich die Reha nicht abgebrochen habe. Im Dezember 2011, während einer Therapiestunde mit meiner Physiotherapeutin geschah dann das Außergewöhnliche. Es war so, als wenn meine Nervenleitung vom Gehirn zum rechten Bein von einer Sekunde auf die andere repariert worden wäre. Ich konnte plötzlich wieder meine Muskeln in der rechten Seite spüren. Das war ein herrliches, wunderbares und einzigartiges Gefühl. Endlich kam wieder Leben in mein Bein, das ich so lange nicht mehr gespürt hatte. Nach einigen Tagen konnte ich dann ohne Rollstuhl zu den Therapien und in den Speisesaal gehen, zur Sicherheit benutzte ich am Anfang noch einen Rollator. Ich war so überglücklich und dem Herrn so dankbar für sein Eingreifen. In den ersten Tagen bin ich morgens aufgewacht und habe mich gefragt, ob ich das alles geträumt habe oder ob es wirklich wahr ist. Dann probierte ich es langsam aus und merkte, dass es gar kein Traum war. Mein Herz war so voll Dankbarkeit und ich hätte die ganze Welt vor Glück umarmen können. Lief ich nun in der Reha jemandem über den Weg, war die Überraschung sehr groß, und egal mit wem ich mich unterhielt, konnte ich weitersagen, wie groß der Herr ist und die Menschen auf den einzigen Halt im Leben hinweisen. Selbst im Schwimmbad, in dem ich abends eigentlich nur meine Übungen machen wollte, hatte ich lange Gespräche mit anderen Personen über den Glauben an Jesus Christus, unseren Erlöser und meinen Halt in und durch diese Zeit. Zwei Tage vor meiner Entlassung erzählte mir eine Frau ihre schwere Lebensgeschichte. Zur Ermutigung, dass ich sie verstehe erwähnte ich nur, dass ich für beinahe ein Jahr im Rollstuhl saß und seit einigen Tagen wieder laufen kann. Sie meinte dann: „Ach sie sind die Frau, bei der das Wunder geschah, über die hier in der Reha so viele reden.“ Da wurde mir erst so richtig bewusst, wie der Herr dadurch viele Menschen durch das Geschehene ansprechen konnte und ihnen Mut in ihrer verzweifelten Lage geben möchte. Sind wir bereit sein Werkzeug zu sein? Rückblickend darf ich sagen, dass mich der Herr gerade in dieser schweren Zeit hindurchgetragen hat. Er hat mir jeden Tag neue Kraft gegeben und mich verspüren lassen, dass ER in den Schwachen mächtig ist. Die Zeit, als ich im Rollstuhl saß, war nicht nutzlos, sondern auf eine andere Art sehr wertvoll. Du fragst dich vielleicht, warum!? Ich wurde ja von einer Sekunde auf die andere aus dem Alltag, dem Stress und der Hektik herausgerissen und hatte plötzlich viel Zeit, über mein Leben nachzudenken. Dabei wurde mir so richtig bewusst, wie gut es tut, dass wir mit allen unseren Sorgen und Problemen zu ihm kommen können. Er hört uns, versteht uns und weiß, was wir brauchen. Gerade in dieser Zeit konnte mich der Herr näher zu sich ziehen und mich auch trotz meiner Behinderung zum Segen für Andere setzen. Er möchte auch dich gebrauchen und zum Segen setzen mit allen deinen Stärken und Schwächen. Lass Ihn einfach in dir und durch dich wirken. Egal ob jung oder alt, ob stark oder gebrechlich, jeden Einzelnen möchte er mit seinen Gaben und Fähigkeiten gebrauchen, um anderen Menschen ein Licht und Salz zu sein, an dem Platz, wo er uns hingestellt hat.
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